Übergabedokumentation? Dank BIM voll digital!

Man klickt im BIM-Modell auf eine Tunnelwand und erhält sofort alle damit verknüpften Qualitätsberichte, Fotos und Zertifikate. Strukturiert, vollständig und einsatzbereit. Nicht nur für den Projektabschluss, sondern für den jahrzehntelangen Betrieb danach.
«Digitale Bestandsdokumentation ist einer der von unseren Kunden am häufigsten nachgefragten Anwendungsfälle», erklärt Felix Stauch, Leiter BIM bei Implenia Civil Engineering. «Das ist kein vorübergehender Trend. Unsere Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass Implenia bereit ist, diese Erwartung konsequent zu erfüllen. Die Frage ist nicht mehr, ob wir es tun, sondern wie wir es projekt- und länderübergreifend wiederholbar machen.» Zwei Projekte in Skandinavien zeigen, wie das in der Praxis funktionieren kann.

Bestandsdokumentation der Station Barkarby (z. B. Checklisten), verknüpft mit dem BIM-Objekt und je nach Projektfortschritt farblich gekennzeichnet
Dokumentation zukunftsfähig gemacht
Bei den meisten Bauprojekten sieht die Übergabe immer noch genauso aus wie vor zwanzig Jahren: Tausende von Dateien in verschachtelten Ordnerstrukturen. Inspektionsberichte an einem Ort, Fotos an einem anderen, Zertifikate an einem dritten. Die Dokumentation existiert zwar, ist aber vom physischen Objekt abgekoppelt. Schwer zu finden, unmöglich zu analysieren und für den Betrieb weitgehend nutzlos.
Für Kunden, die Infrastruktur über Jahrzehnte hinweg warten, inspizieren und betreiben müssen, ist dies mehr als nur eine Unannehmlichkeit. Es ist ein Risiko. Und da die Anforderungen an das digitale Asset Management steigen, vergrössert sich die Kluft zwischen dem, was Kunden benötigen, und dem, was sie bei der Übergabe tatsächlich erhalten.
Weniger Verwaltungsaufwand
Das Problem betrifft jedoch nicht nur die Kunden. Für Auftragnehmer ist die Verwaltung von Dokumentation über verschiedene Disziplinen, Subunternehmer und Genehmigungsworkflows hinweg während der Bauphase ein erheblicher Verwaltungsaufwand. Nachzuverfolgen, welche Dokumente vollständig sind, welche noch ausstehen und welche mit dem richtigen Bauelement verknüpft sind, kostet Zeit und verursacht Reibungsverluste.

Modelle, die mit allen Arten von Dokumentation über Disziplinen, Subunternehmer und Genehmigungsworkflows hinweg verknüpft sind
Bei E39 Lyngdal in Norwegen und Station Barkarby in Schweden verfolgte Implenia einen grundlegend anderen Ansatz. Anstatt die Dokumentation als Aufgabe nach der Bauabwicklung zu betrachten, bauten die Teams sie während der gesamten Bauphase systematisch auf dem BIM-Modell auf. Jedes Dokument, von Checklisten und Zertifikaten bis hin zu Inspektionsberichten und Fotos, wurde im Laufe der Arbeiten direkt mit dem entsprechenden Bauelement verknüpft.
Das Ergebnis: Bei der Übergabe stellte das BIM-Modell nicht nur die Geometrie des Bauwerks dar. Es fungierte als navigierbares, strukturiertes Archiv für alles, was gebaut, getestet, geprüft und genehmigt worden war.
Voraussetzung: Common Data Environment (CDE)
All dies wäre ohne eine Common Data Environment (CDE) als zentrale Plattform für die digitale Erfassung und Verwaltung der Projektdokumentation nicht möglich gewesen. Die CDE bietet die gemeinsame Infrastruktur, in der alle Fachbereiche in einem einzigen, strukturierten System Dokumente einbringen, prüfen und genehmigen können. Doch Technologie allein reicht nicht aus. Um das saubere Endergebnis zu garantieren, ist eine funktionsübergreifende Zusammenarbeit weit über das BIM-Team hinaus erforderlich. Qualitätsmanager legen fest, was nach welchem Standard dokumentiert werden muss. Bauleitung bzw. Bauführung erfassen Daten vor Ort. Dokumentenverantwortliche stellen Vollständigkeit und Richtigkeit sicher. Das BIM-Team schliesslich verknüpft die Dokumentation mit dem Modell. Erst durch diese funktionsübergreifende Zusammenarbeit wird die Dokumentation zu mehr als einer blossen Sammlung von Dateien.
Ein erfolgreiches Projekt ist eine gute Geschichte. Zwei Projekte in verschiedenen Ländern mit einem übertragbaren Ansatz sind eine Kompetenz. Deshalb geht es hier nicht nur um Norwegen und Schweden. Es geht darum, wie Implenia digitale Methoden unternehmensweit aufbaut und skaliert. Die lokalen BIM-Teams leiteten die Umsetzung in ihren Projekten. Auf Divisionsebene bietet die BIM-Funktion von Implenias Project Excellence & Services (PES) Team strategische Beratung auf der Grundlage der Inputs und Erkenntnisse aus allen Projekten und wandelt so die Erfahrungen einzelner Projekte in einen wiederholbaren Ansatz um.
E39 Lyngdal, Norwegen: 25.000 Dokumente, ein Modell
Das Projekt E39 Lyngdal Øst – Lyngdal Vest ist ein 9,5 Kilometer langer Straßenkorridor im Süden Norwegens, bestehend aus zwei Tunneln, sieben Brücken und komplexer unterstützender Infrastruktur. Das Projekt wurde als schlüsselfertiger Auftrag für Nye Veier von einem Joint Venture aus Implenia Norge und Stangeland Maskin ausgeführt und nach 1,6 Millionen Arbeitsstunden innerhalb des Budgets und mehrere Monate vor dem Zeitplan fertiggestellt.
Im Mittelpunkt des Dokumentationsansatzes des Projekts stand ein Systematic Completion (SC)-Prozess. Jede Fachdisziplin dokumentierte ihre Arbeit kontinuierlich gemäss definierten Anforderungen. Dokumentenverantwortliche überprüften, ob jedes Dokument korrekte und relevante Informationen enthielt, bevor es in der Dokumentenbibliothek von Implenia veröffentlicht wurde. Entscheidend war, dass jedem Dokument ein strukturierter Objektcode zugewiesen wurde. Dieser Objektcode diente als Verknüpfungsschlüssel, der es mit dem entsprechenden Element im BIM-Modell verband.
Anders Loven, BIM-Verantwortlicher für den Tunnelbau von Implenia in Norwegen, richtete diesen Prozess ein und schulte die Teams vor Ort. Vor Ort sorgten Glenn Isaksen und Runar Bach dafür, dass täglich alles zusammenlief, indem sie die BIM-Modelle mit Objektcodes aktualisierten und die Dokumentation im Verlauf der Bauarbeiten vernetzt und auf dem neuesten Stand hielten.
«Dies war in vielerlei Hinsicht ein innovatives Projekt, und die Digitalisierung war ein Schlüsselfaktor für die Gewährleistung von Qualität und Effizienz.»
Anita Enebakk, Projektleiterin, Nye Veier
Der Umfang war beträchtlich: Rund 30'000 einzelne Dokumente wurden mit dem Modell verknüpft, darunter Datenblätter, Erklärungen, Zertifikate, Richtlinien, Verfahren, Berichte, Handbücher, Checklisten und Fotos.
Die grösste Herausforderung? Die Einrichtung des Objektkodierungssystems, das die Grundlage für den gesamten Prozess bildete. Sobald diese Struktur stand, ermöglichte sie es dem BIM-Modell, als effektive Navigationsschnittstelle zur zugrunde liegenden Dokumentation zu fungieren.
Das Projekt Lyngdal
Bahnhof Barkarby, Schweden: Vom Papier zur Plattform
Am Bahnhof Barkarby in der Nähe von Stockholm war die Herausforderung eine andere, doch das Ziel blieb dasselbe: die Bereitstellung einer strukturierten, modellverknüpften Dokumentation, die der Auftraggeber tatsächlich nutzen konnte. David Santos, BIM-Verantwortlicher für den Tunnelbau von Implenia in Schweden, richtete den Dokumentationsprozess ein und führte das Baustellenteam in die Plattform ein.
Das Projektteam arbeitete allein für die Betonarbeiten mit 82 BIM-Modellen. Für jedes Betonelement wurden drei standardisierte Checklisten erstellt: zwei, die vor dem Betonieren von der Bauleitung bzw. Bauführung von Implenia ausgefüllt wurden, und eine, die nach dem Betonieren von der Bauleitung bzw. Bauführung des Subunternehmers ausgefüllt wurde. Insgesamt wurden 1’312 Checklisten direkt mit den Modellen verknüpft, wobei etwa 3’000 Fotos mit den Checklisten verbunden waren. Über den Betonbau hinaus erstellte das Team über die gemeinsame Datenumgebung Inspektionsberichte für die Erdarbeiten, Abnahmen für Wasser- und Abwassersysteme sowie Checklisten für Kabelhalterungen und -kanäle.
Die grösste Herausforderung war kultureller, nicht technischer Natur. Die Produktionsteams waren aus früheren Projekten noch daran gewöhnt, mit Papier zu arbeiten und Dokumente manuell als PDFs einzuscannen. Hier spielte Azahdeh Parsaei eine entscheidende Rolle. Als Hauptanwenderin vor Ort kümmerte sie sich um den täglichen Betrieb, unterstützte Kollegen bei der Nutzung des Prozesses und fungierte als lokale Multiplikatorin, die dafür sorgte, dass die Umstellung tatsächlich stattfand. Der Übergang erforderte mehr Zeit als ursprünglich erwartet, doch eine engagierte Person, die die Lücke zwischen dem digitalen Workflow und der Realität vor Ort überbrückte, machte den Unterschied.
Die Investition zahlte sich aus. Da die Dokumentation während der gesamten Bauzeit strukturiert und mit dem Modell verknüpft war, konnte das Team den Fertigstellungsstatus jederzeit nachverfolgen. Bei der Übergabe erhielt der Auftraggeber einen übersichtlichen, nachvollziehbaren Dokumentationssatz, der sich leicht prüfen und nachverfolgen liess.




Perfekt dokumentiert mit 1’312 Checklisten und 3’000 Fotos: der Bahnhof Barkarby bei Stockholm
Zwei Dinge stechen bei beiden Projekten besonders hervor: Erstens war die Dokumentation während der Ausführung keine Nebensache. Sie war vom ersten Tag an in den Bauablauf eingebettet. Die Teams dokumentierten nicht im Nachhinein. Sie dokumentierten während des Baus. Dies schuf einen Mehrwert in beide Richtungen: Die Teams vor Ort konnten die Dokumentation visuell über das BIM-Modell durchsuchen und fanden das, was sie brauchten, indem sie auf das Element vor ihnen klickten. Die Backoffice-Teams profitierten von deutlich weniger Verwaltungsaufwand, da die Struktur bereits vorhanden war und nicht erst nachträglich erstellt werden musste.
Zweitens ist der Ansatz übertragbar. Es handelte sich nicht um Einzelfälle. Indem Implenia die aus den Projekten gewonnenen Erkenntnisse in die Planung anderer Projekte einfliessen lässt, entwickelt das Unternehmen eine skalierbare Methode. Eine Methode, die das nächste Projekt übernehmen und anpassen kann, anstatt sie von Grund auf neu zu erfinden.
Das Ergebnis ist ein neuer Standard dafür, wie eine digitale Übergabe aussehen kann. Und ein Beleg für Kunden, die mehr wollen als einen USB-Stick voller PDF-Dateien.





