Smart verpackt

Wenn mehrere Partner an einem Projekt beteiligt sind, treffen nicht selten verschiedene Meinungen aufeinander, was zahllose Abstimmungsrunden nötig macht. Dass es anders geht, zeigen unsere Fassadentechnik-Kollegen, die gemeinsam mit drei Projektpartnern, darunter das Fraunhofer-Institut, eine Modulfassade zur autarken Energieversorgung entwickeln.

«Die Zusammenarbeit zwischen allen Projektbeteiligen ist wirklich sehr gut. Jeder versucht, die Bedürfnisse der anderen Partner zu verstehen und die beste Lösung für alle zu finden», beschreibt Implenia Projektleiter Dieter Paustian die Kooperation. Seit mittlerweile zweieinhalb Jahren arbeiten die Verbundpartner – Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES, Fraunhofer-Institut für Bauphysik, Abteilung Energieeffizienz und Raumklima, Lare GmbH Luft- und Kältetechnik und Implenia Fassadentechnik – an dem innovativen Projekt.

Ziel ist es, ein Fassadenmodul zu entwickeln, das über die Integration von anlagentechnischen Systemen die komplette Heizungs-, Kühlungs- und Lüftungsversorgung von Büroräumen sicherstellen kann. Durch die Integration von Energieerzeugungssystemen wie Photovoltaik und Solarthermie, reversiblen Kleinstwärmepumpen zur Wärme- und Kältebereitstellung, hohen Dämmstandards und Lüftungstechnik mit Wärmerückgewinnung, wird eine nahezu vollständige energetische Versorgung des Gebäudes über die Fassadensysteme angestrebt.

Mehr als eine Million Euro vom Bundesministerium für Wirtschaft

Die Idee zu einer solchen energieautarken Fassade kam Carlos Pinto (Foto), Geschäftsführer von Implenia Fassadentechnik, bereits vor mehreren Jahren. Mit dem Fraunhofer Institut war schnell ein Projektpartner gefunden, der das Innovationspotenzial des Projekts erkannte. Gemeinsam suchte man nach Partnern, die die Kompetenz haben, ein solch umfassendes Projekt zu stemmen. «Wir brauchten Partner, die nicht nur das Know-how haben, das umzusetzen, sondern auch die Zeit und das Geld», sagt Carlos Pinto. Zur Finanzierung konnte das Bundesministerium für Wirtschaft gewonnen werden. «Das ist natürlich schon etwas Besonderes, wenn ein Ministerium unser Projekt für so innovativ hält, dass es mehr als eine Million Euro zur Verfügung stellt», betont Carlos Pinto.

Da die Projektbeteiligten über ganz Deutschland verteilt sind, war eine strikte Projektorganisation notwendig. «Seit Projektstart hatten wir erst drei persönliche Treffen», sagt Dieter Paustian, aber ein virtueller Projektraum sowie regelmässige Telefonate und Videokonferenzen machen es möglich, dass sich alle doch nahe sind. «Häufig gibt es in solchen langfristigen Projekten immer wieder einmal Durchhänger, weil der ein oder andere Partner nichts von sich hören lässt und es deshalb nicht vorangeht. Aber bei unserem Projekt arbeiten alle engagiert zusammenarbeiten. Das trägt das Projekt», betont Dieter Paustian. Gemeinsam mit seinem Kollegen Robin Frantz sind die beiden für Implenia dabei – insgesamt sind zehn Personen im Kernteam.

Schön und finanzierbar

Im August erreichte das Team einen wichtigen Meilenstein: Das Fassadenmodul wurde in ein Musterhaus nahe München eingebaut. «Eigentlich sollte das schon im Frühjahr passieren, das hätten wir auch geschafft, aber dann machte uns COVID-19 einen Strich durch die Rechnung», sagt Carlos Pinto. Das Gelände wurde gesperrt, so dass das Modul nicht eingebaut werden konnte. Mittlerweile ist das Fassadenelement an seinem Platz und die Messgeräte angebracht. «Die Messtechnik wird jetzt einen ganzen Jahreszyklus aufzeichnen», erklärt Carlos Pinto. «Auf diese Weise können wir sehen, ob die Energieversorgung durch die Fassade so funktioniert, wie wir uns das vorstellen, und können prüfen, ob die Realität mit unseren Simulationen übereinstimmt.» In den nächsten Monaten wird es nun ruhiger, da die Messungen stattfinden.

Zwei weitere Projekte, um die Energieversorgung eines Hauses über die Fassade zu ermöglichen, gibt es bereits, ein System ist bereits auf dem Markt. «Was uns aber davon abhebt, ist ganz einfach: Wir machen es schön und finanzierbar», erklärt der Projektleiter. Denn das sind die Voraussetzungen, um später ein marktreifes Produkt auch wirklich verkaufen zu können. Das System, das derzeit auf dem Markt angeboten werde, sei extrem teuer und gestalterisch wenig flexibel. Das gemeinsam entwickelte Modul ist hingegen finanzierbar und kann sich sehen lassen. «Letzteres ist natürlich gerade für Architekten wichtig: Es ist schick und energieeffizient», hebt Carlos Pinto hervor.