IPD: Pilotprojekt lanciert

Der Begriff IPD kursiert seit einiger Zeit in der Immobilienbranche. Doch was ist IPD und wie funktioniert das Modell? Implenia hat ein Pilotprojekt gestartet, das die «Integrierte Projektabwicklung» implementiert und am realen Objekt testet. Ein Überblick.

Neues Mindset in Immobilienbranche

Kostenüberschreitungen, Verspätungen, Qualitätsverlust, ineffiziente Planung und Ausführung, unzufriedene Investoren, Käufer und Nutzer – die Liste der Herausforderungen in der Immobilienbranche ist lang. Implenia will die transparente, zielorientierte und partnerschaftliche Zusammenarbeit vorantreiben und lanciert eine Reihe von Pilotprojekten mit dem IPD-Ansatz. Ein Neubauprojekt für ein Mehrfamilienhaus an der Schaffhauserstrasse in Zürich steht am Anfang.

IPD, Integrated Project Delivery, ist für viele noch Neuland. Katja Lässer, Projektleiterin für das Pilotprojekt bei Implenia, sagt: «Erste Gespräche haben gezeigt, dass noch viel Klärungsbedarf besteht.» Carolin Baier, Lean Construction Specialist, ergänzt: «Unser Ziel ist es, dass die Division Real Estate IPD-Projekte künftig initiieren und implementieren kann. Die Division Buildings als ausführende Partei soll aktiv an integrierten Projekten mitwirken und sich entsprechend auf dem Markt positionieren können.»

Was ist IPD und wo liegen die Vorteile?

Integrated Project Delivery heisst «integrierte Projektabwicklung». Mit dem Ansatz wird in der Projektarbeit ein Umfeld geschaffen, das Zusammenarbeit, Innovation und Wertschöpfung fördert. Dabei fliessen auch Ansätze der Lean Management-Philosophie ein. Das Ziel: Effizienz bei Immobilienprojekten steigern und Ergebnisse verbessern.

Im Rahmen von IPD kommen fünf gleichwertige Kernelemente zum Einsatz:

  • Frühzeitige Einbindung der Stakeholder: Kontinuierliche Zusammenarbeit von Auftraggeber, Planenden und Ausführenden von Projektbeginn bis -abschluss.
  • Gemeinsame Risiko- und Ertragsstrategie: Erfolgsabhängige und gleichberechtigte Vergütung aller Projektbeteiligten nach dem Motto «Alle gewinnen oder alle verlieren».
  • Gemeinsames Projektmanagement: Gesamtes Projektteam arbeitet integriert, gleichberechtigt und trägt gemeinsam die Verantwortung. 
  • Mehrparteienvertrag zwischen Projektteam und Bauherr: Zwischen allen Beteiligten werden die Zusammenarbeit hinsichtlich Kultur, Organisation, Methoden und Prozessen sowie das Vergütungsmodell geregelt.
  • Haftungs- und Projektversicherung: Haftungsausschlüsse vermeiden Interessenkonflikte und ermöglichen vertrauensvolles Arbeiten.

Die Vorteile von IPD für die Investoren von Immobilienprojekten und somit für die Kunden von Implenia liegen auf der Hand: Sie dürfen ein besseres Risikomanagement, höhere Kostengenauigkeit und Terminzuverlässigkeit und somit insgesamt bessere Resultate erwarten. 

Wie läuft das Pilotprojekt ab?

Nach einer intensiven Vorbereitungsphase fand Ende September 2020 ein Kick-Off-Workshop statt, gefolgt von einem Assessment, in dem die fachlichen und kooperativen Fähigkeiten der künftigen Projektbeteiligten, beispielsweise der Architekten, geprüft wurden.

Nach der Teamzusammenstellung wird der Mehrparteienvertrag verhandelt und unterzeichnet. Mit Beginn der Validierungsphase arbeiten die Projektbeteiligten physisch in der sogenannten «Co-Location» zusammen – vor dem Hintergrund der aktuellen Lage werden aber auch Möglichkeiten der digitalen Zusammenarbeit in Betracht gezogen. In dieser Phase werden Zielwerte präzisiert, eine begleitende Kostenplanung durchgeführt und Entwurfsvarianten verglichen. 

In der Validierungs- und der anschliessenden Planungsphase wird durch die frühe Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten und die Anwendung von BIM sowie Prinzipien und Methoden aus Lean Construction ein hoher Detaillierungsgrad in der Planung erreicht – die Voraussetzung für einen reibungslosen Ablauf in der Ausführung.

IPD-Pilot Schaffhauserstrasse, Zürich

Das Projekt Schaffhauserstrasse in Zürich sieht den Abbruch des Bestandsgebäudes und einen Ersatzneubau mit 60 bis 80 Kleinwohnungen vor. An gut erschlossener Lage zwischen Oerlikon und der Universität Zürich mit hervorragender Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz sollen künftig unterschiedlichste moderne und urbane Kleinwohnungstypen der speziellen Nachfrage nach kleinen Stadtwohnungen Rechnung tragen. Der Baubeginn ist für ca. Mitte 2022 geplant, die Fertigstellung soll im Verlauf von 2024 erfolgen.