Ein halbes Jahrhundert Betriebszugehörigkeit

Bernhard Imhof ist Vorsitzender des Betriebsrats von Implenia Deutschland und feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum im Unternehmen. Was den Rockmusikliebhaber und Harley Davidson-Fahrer geprägt hat und welche Tipps er jungen Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg geben kann, hat er der Impact-Redaktion verraten.

«Gebaut wird immer» – aus dieser Überlegung heraus bewarb sich Bernhard Imhof 1970 mit nur 14 Jahren in seiner Heimatstadt Mannheim bei der Grün & Bilfinger AG für eine Ausbildung zum Baukaufmann. Nicht nur die Sicherheit, die die Branche versprach, war dabei für ihn ausschlaggebend: «Zu einer bekannten Firma zu gehen, die eine gewisse Grösse hat, war mir wichtig. Bei einem grossen Unternehmen gibt es ganz andere Möglichkeiten als bei einem kleinen» erzählt er. Bald darauf sass er an seinem neuen Arbeitsplatz im Bilfinger Hochhaus am Carl-Reiss-Platz und durchlief in der Unternehmenszentrale verschiedene Abteilungen.

Das letzte halbe Jahr seiner Ausbildung und einige Zeit danach verbrachte er als kaufmännischer Sachbearbeiter auf der Baustelle eines Grosskraftwerks in Mannheim. Nach Abschluss des Projekts wurde er auf den Bauhof der Maschinen- und Elektrotechnik versetzt. Er fungierte als Springer und half dort aus, wo ein Mitarbeitender erkrankt oder im Urlaub war. «Das hat mir viel Spass gemacht, weil ich alle paar Wochen eine neue Aufgabe und dadurch einen guten Überblick über die Zusammenhänge bekam.» Anschliessend ging es in die Lohnabrechnung, wo er es mit vielfältigen Personalthemen zu tun bekam. «Ich habe damals als einfacher Sachbearbeiter Einstellungen und Entlassungen unterschrieben. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen», schmunzelt Imhof.

Wer wagt gewinnt

Seine zweite Karriere als Betriebsrat startete er bereits 1974, als er sich aufgrund seiner eigenen Schwerbehinderung zur Wahl als Schwerbehindertenvertrauensmann aufstellen liess und prompt zum Vorsitzenden gewählt wurde. Dieses Ehrenamt bekleidete er viele Jahre und nahm in dieser Funktion immer auch an den Betriebsratssitzungen teil. «Dadurch habe ich mitgekriegt, was da so passiert», so Imhof. Als nach diversen Umstrukturierungen die Maschinen- und Elektrotechnik einen eigenen Betriebsrat erhielt, wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt; nach fünf Jahren übernahm er das Amt des Vorsitzenden.

Durch weitere Umstrukturierungen bei Bilfinger wurden 2010 die sogenannten Spartenbetriebsräte gegründet. Imhof übernahm auch hier eine Führungsposition. «Das war eine riesige Herausforderung. Bis dahin hatte ich nur meinen kleinen Betriebsrat mit sieben Mitgliedern geleitet, das war überschaubar. Jetzt wartete da ein grosses Gremium, bestehend aus den Vorsitzenden der anderen Betriebsratseinheiten, und es war gar nicht so einfach, mit den Befindlichkeiten und Ansprüchen umzugehen.» Imhof liebt Herausforderungen, weshalb er im Nachhinein den Sprung ins kalte Wasser als die beste Entscheidung seiner beruflichen Laufbahn bezeichnet. Längst war er durch das hohe Arbeitspensum als Betriebsrat freigestellt, als er schliesslich auch das Amt des Betriebsratsvorsitzenden von Implenia Deutschland übernahm, nachdem sein Arbeitgeber unter neuem Namen und mit der Blume im Logo als Implenia firmierte.

Dass er darüber hinaus verschiedene Ämter in der Gewerkschaft innehat und sich als ehrenamtlicher Arbeitsrichter engagiert, erwähnt er nur im Nebensatz. «Ich habe eine spannende Aufgabe, die mich fordert. Die Unabhängigkeit, die ich in meiner Rolle habe, schätze ich sehr. Wir hatten im Jahr 2020 bestimmt 60 bis 70 Sitzungen. Ohne meine Assistentin Aleksandra Radic würde ich die Koordination und Vorbereitung der vielen Termine, die Protokolle und alles auch nicht mehr schaffen.»

Persönlichkeit zählt

Dass Bernhard Imhof früher viel mit Personalthemen zu tun hatte und dabei auf der Arbeitgeberseite sass, hilft ihm heute sehr. «Ich kann die Beweggründe des Arbeitgebers besser nachvollziehen. Es sind immer zwei Seiten zu betrachten. Klar gibt es Punkte, bei denen mal heftiger diskutiert wird. Mein Ziel ist es aber immer, zusammenzuarbeiten – für das Unternehmen.» Schwierig findet er, dass sich Sachebene und persönliche Ebene in Auseinandersetzungen häufig vermischen. «Man könnte effektiver zusammenarbeiten, wenn man das sauber trennt. Auch ich musste über die Jahre lernen, die Dinge nicht persönlich zu nehmen – es braucht eine Weile, bis man verstanden hat, dass sich Kritik auf die Arbeit und nicht auf die Person bezieht.»

Generell hat er durch seine Arbeit viel über den Umgang mit Menschen gelernt und sich immer wieder selbst reflektiert. «Ich kann Menschen heute besser einschätzen und Problemstellungen besser von der Sache her analysieren. Ich habe gelernt, mich nicht auf Meinungen zu verlassen, sondern zu hinterfragen, was wirklich hinter einem Problem steckt.» Auch den Anspruch, perfekt zu sein und es allen recht machen zu wollen, müsse man ablegen, meint Imhof. «Man läuft sonst Gefahr, sich aufreiben zu lassen. Und das ist nicht gesund». Das ist es auch, was er jungen Menschen mit auf den Weg geben will: «Neben der fachlichen Weiterbildung sollte man auch die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit im Blick behalten. Wenn man sich immer wieder kritisch reflektiert und an sich arbeitet, bringt einen das weiter.»