Drei Berufe, ein Ziel: Besuch im Tunnel Lyon-Turin

Der Dirigent der Terminplanung
Romain Mabit ist ausgebildeter Vermessungsingenieur und -topograf und arbeitet heute als Verantwortlicher für die Terminplanung beim Projekt Lyon-Turin (CO08). Romain fühlte sich schon früh vom besonderen Arbeitsumfeld des Tunnel- und Untertagebaus angezogen. Während seines Studiums bot sich ihm 2016 die Gelegenheit, nach Hongkong zu gehen, um sich zum Tunnelbohrmaschinenfahrer ausbilden zu lassen. Anschließend arbeitete er 2018 am Eole-Projekt in Paris.
2020 begann er bei Implenia in Paris auf der Linie 11 als Schichtleiter an der Tunnelbohrmaschine. Danach war er zwei Jahre lang beim GIE Alliance als Logistikverantwortlicher tätig, bevor er im Oktober 2023 zur Baustelle CO08 des Projekts Lyon–Turin als Verantwortlicher für die Terminplanung wechselte.
«Ich wollte in einem speziellen Umfeld arbeiten. Was mich besonders angesprochen hat, ist die Atmosphäre im Untertagebau: hoch technisiert, aber zugleich sehr familiär», erzählt Romain.
Auf einer Baustelle wie CO08 stehen Produktion und Baufortschritt an oberster Stelle. Genau hier kommt Romain ins Spiel. Als Verantwortlicher für die Terminplanung beobachtet, hört und befragt er alle Bereiche – Ausbruch, Ausbau, Oberfläche und Planung –, um die notwendigen Informationen zu sammeln, abzugleichen und ein ganzheitliches, stimmiges Gesamtbild des Projekts zu erhalten.
«Meine Aufgabe ist es, den Überblick zu behalten. Ich bündle die Informationen aller Bereiche und antizipiere demnächst anfallende Aufgaben. So bleibt die Baustelle auf Kurs», erklärt Romain.
Den Baufortschritt verfolgt Romain mithilfe von Anwendungen wie Microsoft Project, Primavera, Tilos und sogar KI-gestützter Software, um den Terminplan in Echtzeit anzupassen. Jeden Monat aktualisiert er den Gesamtterminplan für die Bauleitung und weist auf mögliche terminliche Auswirkungen hin.
Für ihn liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Antizipation und der Teamarbeit. Jeden Donnerstag nimmt er gemeinsam mit den Bereichsleitern an einer Baustellenbegehung teil, ein zentraler Moment, um Situationen zu analysieren und Lösungen vorzuschlagen. Seine Aufgabe beschränkt sich nicht nur auf die Planung: Er analysiert auch die Produktionsleistung und schlägt Anpassungen vor, um den Terminplan zu optimieren.
«Was mir am meisten gefällt, ist, die Teams zusammenzubringen, um ein Problem zu lösen, und zu sehen, wie jeder seinen Beitrag zum Gesamtwerk leistet», ergänzt Romain.

Romain Mabit, Verantwortlicher für die Terminplanung und Dirigent des Bauzeitenplans auf der Baustelle
Die Augen des Tunnels
Während Romain Mabit Zeit und Ressourcen koordiniert, sorgen die Vermessungsingenieure dafür, dass jeder gegrabene Meter exakt dort liegt, wo er sein soll.
Stéphane Vial, Leiter des Vermessungsteams auf der Baustelle des Zugangs zum Basistunnel Lyon–Turin, verfügt über mehr als 32 Jahre Erfahrung im Tunnelbau von der Metro in Lyon über das CERN bis hin zum Projekt Lyon-Turin. Als ausgebildeter Vermessungstechniker hat er sich einen Grossteil seines Wissens direkt auf der Baustelle angeeignet. Seit 2018 ist er bei Implenia als verantwortlicher Vermessungsingenieur tätig, zunächst am CERN und anschließend auf der Baustelle CO08.
«Auf einer Tunnelbaustelle beginnt man oft auf einem leeren Gelände – und am Ende sieht man eine enorme Veränderung. Das ist faszinierend», erzählt Stéphane.
Er betreut ein Team von drei Personen mit unterschiedlichen Arbeitsorganisationen: Einige arbeiten im Schichtbetrieb mit nächtlichen Bereitschaftsdiensten, während andere unter der Woche von Montag bis Freitag im Einsatz sind. Für ihn ist die Welt des Tunnelbaus auch ein Ort der Begegnungen, da sich alle Gewerke zwangsläufig kreuzen selbst dann, wenn sie unterschiedlichen Unternehmen angehören.
José Pereira Torres, der seit 2016 im Tunnelbau tätig ist, begann seine Laufbahn als Vermessungshelfer im Erdbau in Portugal, bevor er seine Karriere in Frankreich fortsetzte. Er war an bedeutenden Projekten wie dem Grand Paris Express beteiligt, insbesondere an der Linie 15 und der Linie 11, bevor er zum Projekt Lyon–Turin wechselte.
«Präzision ist entscheidend. Ein Fehler von wenigen Zentimetern in einem Tunnel kann Auswirkungen auf das gesamte Projekt haben», betont José.
Mithilfe ihrer Instrumente – Totalstation, Theodolit, 3D-Scanner, Gyroskop und Laser sowie Softwarelösungen wie Amberg Tunnel oder AutoCAD – stellt das Team die exakte Absteckung des Gewölbes, die Überwachung der Konvergenzen und die Kontrolle der Bauwerke sicher. Dabei arbeiten sie eng mit den Vortriebsteams, den Geologen und den QSE-Verantwortlichen zusammen, um Sicherheit und Konformität zu gewährleisten.
«Die Welt des Tunnelbaus ist intensiv. Sie erfordert Genauigkeit, Weitblick und ein hohes Mass an Anpassungsfähigkeit», schließt Stéphane.

José und Stéphane auf der Baustelle
Drei Berufe, ein gemeinsames Ziel: der Erfolg der Baustelle
Auch wenn ihre Aufgaben unterschiedlich sind, verfolgen Romain, Stéphane und José ein gemeinsames Ziel: den Tunnel präzise und effizient voranzubringen. Der eine antizipiert und koordiniert, die anderen messen und kontrollieren. Gemeinsam veranschaulichen sie die Komplexität und den Reichtum der Untertagearbeit, in der jede Entscheidung und jede Messung zählt.
Ihr Engagement trägt nicht nur dazu bei, Termine und Normen einzuhalten, sondern stellt auch sicher, dass in einigen Jahren Züge diesen Tunnel sicher durchqueren werden. Ein kollektiver Erfolg mit Sorgfalt und Leidenschaft orchestriert.
Das TELT-Projekt

Das Eisenbahnprojekt Turin–Lyon ist eine im Bau befindliche Hochgeschwindigkeitsstrecke. Das Herzstück dieses Projekts ist der 57,5 km lange Mont-Cenis-Basistunnel, der eine neue Eisenbahnachse zwischen Lyon und Turin bildet. Die gesamte Neubaustrecke umfasst rund 270,8 km, davon 140 km in Frankreich und 46,7 km in Italien. Das Projekt ist ein wichtiger Bestandteil der europäischen Schieneninfrastrukturplanung und wird von der EU unterstützt. Es soll den Eisenbahn-Transitverkehr in Ost-West-Richtung zwischen Frankreich und Italien beschleunigen und ist Teil der TEN-Eisenbahnachse Nr. 6 zwischen Lyon und Budapest.
Implenia ist Teil des TELT-Projekts, das den Bau des Mont-Cenis-Basistunnels umfasst. Implenia wurde 2021 beauftragt, das Los 3 des Tunnels zu bauen, gemeinsam mit den ARGE-Partnern NGE, Rizzani De Eccher und Itinera Spa1. Das Projekt umfasst den Bau von zwei 2'839 m langen Röhren in Richtung Italien, inklusive 11 Sicherheitsquerschlägen und 140 m Tagbautunnel.
Kennzahlen
| 5,6 km | zu grabender Tunnel |
| 1'018 m | in Regenschirmgewölben |
| 1'078 | Bögen zu verlegen |
| 11 | Sicherheitstriebwerke |
| 600'000 m3 | Erdarbeiten |
| 2'700 m2 | akustischer Hangar |
| über 127'000 m2 | Baustelleneinrichtung |
| 5 Jahre | Bauzeit |
| EUR 228 Mio. | Auftragsvolumen |
| Über 300 Personen | in Spitzenzeiten vor Ort |


