Leidenschaft für den Tunnelbau

Yanis, wie bist du zum Tunnelbau gekommen?
Bei mir ist Tunnelbau eine Familienangelegenheit: Mein Onkel und mein Bruder arbeiten schon seit langem in diesem Bereich. Anfangs konnte ich mir nicht unbedingt vorstellen, unter Tage zu arbeiten, aber sie haben mich für diesen Beruf begeistert. Ich habe als temporärer Mitarbeiter angefangen und so ersten Erfahrungen gesammelt. Dann wurde ich von Implenia als Maschinenführer eingestellt und arbeite jetzt als Betonierer mit dem Roboter Normet Spraymec.
Kannst du uns einen typischen Arbeitstag beschreiben?
Wir arbeiten in drei Schichten zu je acht Stunden. Je nach Woche kann ich also nachts, morgens oder nachmittags arbeiten. Jede Schicht beginnt mit einer Übergabe durch das vorherige Team: Wir besprechen den Arbeitsfortschritt, geben uns gegenseitig Anweisungen und steigen dann mit unserer persönlichen Schutzausrüstung in den Tunnel hinab.
Dann folgen die einzelnen Aufgaben: Bohren und Laden der Sprengstoffe, Sprengen und Sichern, Ausräumen, Spülen und Nachprofilieren, Spritzen von Beton, Setzen von Ankerbolzen.
Es ist eine Abfolge von technischen Aufgaben, in denen man effizient, aber auch sehr wachsam sein muss. Es ist ein körperlich anstrengender Beruf, der Mut, Aufmerksamkeit und Motivation erfordert.
Du sprichst von Wachsamkeit. Hast du schon einmal eine besonders eindrückliche Situation erlebt?
Ja, während eines Betonspritzvorgangs löste sich ein grosser Stein von der Wand. Er prallte vom Arm des Roboters ab. Reflexartig wich ich zur Seite – er traf mich am Arm, aber zum Glück nicht schwer. Seitdem bin ich noch vorsichtiger. Solche Vorfälle erinnern daran, dass man niemals die Wachsamkeit verlieren darf.
Welche Maschinen bedienst du täglich?
Natürlich den Spritzroboter, aber auch die Gondel, den Manitou oder den Bagger. Das sind Maschinen, die Präzision, Erfahrung und viel Vorausschau erfordern.
Und wie ist die Stimmung im Team?
Es herrscht echte Solidarität und ein guter Zusammenhalt. In einem Tunnel arbeitet man immer im Team. Kommunikation und Vertrauen sind unerlässlich, damit alles reibungslos verläuft, sowohl in technischer als auch in menschlicher Hinsicht.
Wie siehst du deine Entwicklungsmöglichkeiten in diesem Beruf?
Seit ich angefangen habe, habe ich enorm viel gelernt. Ich bin handwerklich geschickter und gewandter geworden. Und ich lerne jeden Tag noch dazu. Kurzfristig möchte ich die Ausbildungen als Gabelstaplerfahrer absolvieren, die mir noch fehlen, und in allen Arbeitsschritten des Tunnelbaus noch selbständiger werden. Ich fühle mich bei Implenia und innerhalb der Arbeitsgemeinschaft wohl. Ich möchte weitermachen.
Das TELT Projekt

Das Eisenbahnprojekt Turin–Lyon ist eine im Bau befindliche Hochgeschwindigkeitsstrecke. Das Herzstück dieses Projekts ist der 57,5 km lange Mont-Cenis-Basistunnel, der eine neue Eisenbahnachse zwischen Lyon und Turin bildet. Die gesamte Neubaustrecke umfasst rund 270,8 km, davon 140 km in Frankreich und 46,7 km in Italien. Das Projekt ist ein wichtiger Bestandteil der europäischen Schieneninfrastrukturplanung und wird von der EU unterstützt. Es soll den Eisenbahn-Transitverkehr in Ost-West-Richtung zwischen Frankreich und Italien beschleunigen und ist Teil der TEN-Eisenbahnachse Nr. 6 zwischen Lyon und Budapest.
Implenia ist Teil des TELT-Projekts, das den Bau des Mont-Cenis-Basistunnels umfasst. Implenia wurde 2021 beauftragt, das Los 3 des Tunnels zu bauen, gemeinsam mit den ARGE-Partnern NGE, Rizzani De Eccher und Itinera Spa1. Das Projekt umfasst den Bau von zwei 2'839 m langen Röhren in Richtung Italien, inklusive 11 Sicherheitsquerschlägen und 140 m Tagbautunnel.
Kennzahlen
| 5,6 km | zu grabender Tunnel |
| 1'018 m | in Regenschirmgewölben |
| 1'078 | Bögen zu verlegen |
| 11 | Sicherheitstriebwerke |
| 600'000 m3 | Erdarbeiten |
| 2'700 m2 | akustischer Hangar |
| über 127'000 m2 | Baustelleneinrichtung |
| 5 Jahre | Bauzeit |
| EUR 228 Mio. | Auftragsvolumen |
| Über 300 Personen | in Spitzenzeiten vor Ort |




