Baustelle digital: Daten geben den Takt an

Kurz zusammengefasst
- Digitale Tools lösen Papier, Excel-Listen und manuelle Archive ab
- Daten aus Sensoren, Maschinen und Reportings werden in Echtzeit nutzbar
- Auf TELT CO08 verbessern sie Zeiterfassung, Schichtberichte und Produktionsüberblick
- GTC und SCADA erhöhen Sicherheit, Kontrolle und technische Transparenz
- Vernetzte Systeme erleichtern Analysen, Reporting und Kommunikation mit dem Kunden
- Umweltdaten werden zentral erfasst und besser steuerbar
- Entscheidend bleiben klare Prozesse, Datenqualität und Interoperabilität
Auf Tunnelbaustellen sorgt Digitalisierung inzwischen nachhaltig für Leistung, Sicherheit und Effizienz. Denn wo schwere Maschinen, anspruchsvolle Geologie, hohe Sicherheitsstandards und Umweltanforderungen zusammenkommen, entscheidet der gezielte Umgang mit Daten zunehmend über den Erfolg.
Von Papier zu nutzbaren Daten
Jeden Tag produziert die Baustelle eine grosse Menge an Daten: Maschinen, Sensoren, Monitoring-Software, Produktionsberichte … Wenn diese Informationsmenge gut genutzt wird, ermöglicht sie den Übergang von einer reaktiven Logik hin zu Antizipation und zentraler Steuerung in Echtzeit.
Lange Zeit wurden diese Informationen auf Papier festgehalten, in verschiedene Excel-Tabellen eingegeben, anschliessend gescannt und archiviert. Sie waren zwar vorhanden, liessen sich jedoch nur schwer vollständig nutzen. Die Digitalisierung markiert hier einen tiefgreifenden Wandel: Sie macht aus diesen Daten ein konkretes, strukturiertes und in Echtzeit zugängliches Steuerungsinstrument.
Das Ergebnis:
- einfacher zu erstellende Reportings
- schnellere Analysen
- eine regelmässigere und verlässlichere Kommunikation mit dem Kunden
So vollzieht sich der Übergang von einer reaktiven Logik zu einer Steuerung in Echtzeit. Vorangetrieben wird diese Dynamik bei Implenia Frankreich von Philippe Liotard, seit 2019 Materialdirektor, der die Entwicklung und Integration digitaler Lösungen im Dienst der operativen Tätigkeiten steuert.
Konkrete Werkzeuge auf der Baustelle TELT CO08
Die Tunnelbaustelle Lyon-Turin TELT CO08 veranschaulicht diesen Ansatz sehr gut. Aufgrund der vom Bauherrn TELT geforderten sehr hohen Reporting-Standards wurden mehrere Werkzeuge entwickelt, die direkt auf die Bedürfnisse der Teams vor Ort zugeschnitten sind. Alle Mitarbeitenden können Verbesserungen vorschlagen; anschliessend entwickelt ein externer Partner die Lösung mit Unterstützung von Philippe Liotard.
So wurde eine Software zur Zeiterfassung eingeführt, um die Nachverfolgung der Arbeitszeit zuverlässiger und einfacher zu machen. Ein weiteres Tool ermöglicht das Erstellen von Schichtberichten sowie die Echtzeitverfolgung des Baustellenfortschritts und der Verfügbarkeit der Maschinen und bietet damit einen klaren und laufend aktualisierten Überblick über die Produktion.
Die zentrale technische Gebäude- und Anlagensteuerung (GTC) stellt die übergeordnete Überwachung der Baustelle sicher. Sie ermöglicht es, die Anlagen zu steuern und wesentliche Parameter wie die Luftmenge im Tunnel zu kontrollieren – und gewährleistet so Sicherheit und Leistung zugleich. Auch die Betonmischanlage wird über digitale Werkzeuge überwacht, die die Produktionsüberwachung erleichtern und Rückverfolgbarkeit sowie Qualitätssicherung ermöglichen.
Ein System vom Typ SCADA (Supervisory Control and Data Acquisition) ergänzt diese Infrastruktur. Es ermöglicht die Überwachung technischer Anlagen, die Fernsteuerung bestimmter Geräte sowie die Erfassung und Analyse von Daten in Echtzeit oder zeitversetzt.
All diese Werkzeuge sind miteinander vernetzt: Die Daten fliessen dank geeigneter Schnittstellen (API, Middleware) zwischen den verschiedenen Systemen. Diese Interoperabilität gewährleistet nicht nur eine höhere betriebliche Effizienz, sondern auch ein dem Baustellenkontext angemessenes Niveau an Cybersicherheit.
Daten im Zentrum der Steuerung
Eine Untertagbaustelle erzeugt eine grosse Menge an Informationen: Sensoren, Geräte, Produktionsmonitoring, Sicherheit, Umwelt. Ohne klare Organisation können diese Daten für die Teams zur Belastung werden – insbesondere durch aufwändige Erfassungs- und Eingabearbeiten. Mit einer Data-Management-Strategie werden sie hingegen zu einem Instrument der Antizipation und Entscheidungsunterstützung.
Die Rolle des Data Managers wird damit zentral:
- Er oder sie gewährleistet die Qualität und Zuverlässigkeit der Daten,
- stellt ihre Rückverfolgbarkeit sicher,
- und macht sie für alle Projektbeteiligten verständlich und nutzbar.
Die Digitalisierung fördert so eine bessere Koordination zwischen den Teams vor Ort, den Supportfunktionen und den Entscheidungsträgern.
Ein Hebel für die Umwelt
Die Digitalisierung kommt nicht nur der Produktion zugute. Auch aus Umweltsicht vereinfacht sie die Erhebung und Zusammenführung von Daten erheblich. Maud Le Fol, QSE-Verantwortliche, betont, dass diese Werkzeuge Umweltkennzahlen zentralisieren und ihre Analyse erleichtern.
Das bedeutet nicht nur einen erheblichen Zeitgewinn, sondern auch eine bessere Steuerung der Umweltverpflichtungen auf der Baustelle.
Eine Transformation, die heute gesteuert werden muss
Die Untertagbaustellen von morgen werden dank einer beherrschten Digitalisierung sicherer, reaktionsfähiger und nachhaltiger sein.
Doch diese Transformation beruht nicht allein auf Technologie, sie braucht eine klare Sicht auf die fachlichen Anforderungen; eine enge Zusammenarbeit zwischen Baustelle und externen Partnern; und eine Strategie, die auf Interoperabilität und die Wertschöpfung aus Daten ausgerichtet ist.
Oder, wie Philippe Liotard es zusammenfasst: «Im digitalen Tunnel liegt das Licht in gut genutzten Daten.»

Das TELT-Projekt
Das Eisenbahnprojekt Turin–Lyon ist eine im Bau befindliche Hochgeschwindigkeitsstrecke. Das Herzstück dieses Projekts ist der 57,5 km lange Mont-Cenis-Basistunnel, der eine neue Eisenbahnachse zwischen Lyon und Turin bildet. Die gesamte Neubaustrecke umfasst rund 270,8 km, davon 140 km in Frankreich und 46,7 km in Italien. Das Projekt ist ein wichtiger Bestandteil der europäischen Schieneninfrastrukturplanung und wird von der EU unterstützt. Es soll den Eisenbahn-Transitverkehr in Ost-West-Richtung zwischen Frankreich und Italien beschleunigen und ist Teil der TEN-Eisenbahnachse Nr. 6 zwischen Lyon und Budapest.
Implenia ist Teil des TELT-Projekts, das den Bau des Mont-Cenis-Basistunnels umfasst. Implenia wurde 2021 beauftragt, das Los 3 des Tunnels zu bauen, gemeinsam mit den ARGE-Partnern NGE, Rizzani De Eccher und Itinera Spa1. Das Projekt umfasst den Bau von zwei 2'839 m langen Röhren in Richtung Italien, inklusive 11 Sicherheitsquerschlägen und 140 m Tagbautunnel.
Kennzahlen
| 5,6 km | zu grabender Tunnel |
| 1'018 m | in Regenschirmgewölben |
| 1'078 | Bögen zu verlegen |
| 11 | Sicherheitstriebwerke |
| 600'000 m3 | Erdarbeiten |
| 2'700 m2 | akustischer Hangar |
| über 127'000 m2 | Baustelleneinrichtung |
| 5 Jahre | Bauzeit |
| EUR 228 Mio. | Auftragsvolumen |
| Über 300 Personen | in Spitzenzeiten vor Ort |



